Lehrstabnews

Der Lehrstab hat das Wort -
Es ist zum Haare raufen!

Es ist zur Gewohnheit geworden, dass der Lehrstab an dieser Stelle Ausführungen zum Inhalt der Spielregeln macht in der Hoffnung, diese den Schiedsrichtern präsent zu machen und in Erinnerung zu rufen. Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Ausführungen auf wenig fruchtbaren Boden gefallen sind.
In einem Spiel der Regionalliga hatte ich in der Hinserie beobachtet, dass bei der Strafstoßausführung Spieler beider Mannschaften deutlich zu früh in den Strafraum gelaufen waren. Reaktion des Schiedsrichters? Das Spiel lief lustig weiter, ohne die zwingende Wiederholung des Strafstoßes anzuordnen! Zwei Spieltage später lässt der Schiedsrichter eines Spieles der Junioren-Bundesliga mit seiner Zustimmung das Spiel mit Einwurf fortsetzten, um es unmittelbar danach aufgrund eines Fahnenzeichens des Assistenten zu unterbrechen. Das Fahnenzeichen bezog sich auf ein Vergehen vor dem Einwurf. Reaktion des Schiedsrichters? SR-Ball? Weit gefehlt! Der Schiedsrichter ließ den Einwurf wiederholen! Zu guter Letzt musste ich feststellen, dass die Schiedsrichterin eines Damen-Bundesligaspiels es versäumte, in einem Spiel zwei zwingend vorgeschriebene Feldverweise auszusprechen. Ich stelle mir die Frage, worin die Ursache solch haarsträubender Fehler liegt. Haben die Schiedsrichter Probleme mit der Umsetzung der Regelinhalte oder sind ihnen diese vielleicht gar nicht bekannt. Wenn derartige Fehler in dieser Häufigkeit  in diesen Spielklassen passieren, wie sieht es dann in den unteren Klassen aus? Eine Antwort auf meine Frage bekam ich anlässlich einer unterjährigen Überprüfung der Leistungsfähigkeit von Spitzenschiedsrichtern des Verbandes. Zum Trost sei erwähnt, dass die körperliche Fitness nicht Gegenstand dieser Überprüfung war…
Haben wir in der Vergangenheit im Lehrwesen den Schwerpunkt auf die Persönlichkeitsentwicklung und Ausbildung der sozialen Kompetenz gelegt, müssen wir nun erkennen, dass wir den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht haben.  Was nützt uns eine Persönlichkeit auf dem Platz, wenn diese ihre eigenen Regeln kreiert und letztendlich sogar durchsetzt. Das schadet dem Fußballsport, weil die Einfachheit und Einheitlichkeit des Regelwerkes verloren geht. Immer noch sind  Regelkenntnisse und körperliche Fitness die Grundlagen eines guten Schiedsrichters. Erst wenn die Grundlagen sitzen, brauch ich mich um den Überbau zu kümmern.  Für die Grundlagen ist jeder selbst verantwortlich. Für diejenigen, die es mit der Eigenverantwortung nicht so genau nehmen oder diejenigen, die die erfolgversprechenden Lern- und Arbeitstechniken nicht in ihrem Werkzeugkoffer finden, habe ich einen Insider-Tipp: Der BSA-Lehrwart! Liebe Schiedsrichterkameraden, es wird aller höchste Zeit. Noch ist nichts verloren. Die Rückserie liegt noch vor uns. Der nächste Sommer-Lehrgang aber auch…

Sven Callies
Lehrwart im Verbands-Schiedsrichterausschuss